#ParisAttacks: Keine Lust auf Social Media

Es fing während des Fußballspiels an. Plötzlich sagte der Kommentator was von Schießereien und mehreren Toten. Das zog sich dann durch das gesamte Spiel, bis am Ende die bekannten Szenen im Stadion zu sehen waren. Die Menschen durften das Stadion nicht verlassen, kurz brach Panik aus. Opdenhövel und Scholl wussten teilweise auch nicht mehr was sie sagen sollten. Alles sehr beklemmend und surreal.

Am nächsten Morgen war ich dann wieder am Computer, schaute auf Twitter und sah in den Trends, dass die Anschläge in Paris heiß diskutiert wurden. Ein paar Klicks später wurde mir das gesamte Maß dieses Unglücks bewusst und teilweise fehlte mir der Atem. Wie viele andere frage ich mich natürlich auch: „Warum?“.

Ich schaute mir viele Tweets in meiner Timeline an. Jeder zweite handelte von Paris, wie schlecht die Welt doch sei oder dass es doch besser ist, Liebe in die Welt zu tragen. So der Unterton der meisten Tweets. Dazwischen auch immer wieder normale Tweets, die auf einmal überhaupt nicht mehr interessierten bzw. so fehl am Platz wirkten, dass es fast schon schmerzte. Alltagsprobleme, lustige Sprüche, Links zu irgendwelchen Büchern auf Amazon. Alles banal angesichts der aktuellen Ereignisse.

Und auf einmal merkte ich, dass mich Twitter gerade sehr abnervt. Ich konnte weder die einen noch die anderen Tweets lesen. Sollte ich auch was schreiben? Ich war sprachlos und machte dies mit dem Tweet „[…] #ParisAttacks“ deutlich. Ansonsten? Nichts mehr. Ich hatte keine Lust mehr auf Twitter und das Gegacker.

Facebook? Auch nicht besser. Plötzlich ändert wieder jeder sein Profilbild und zeigt sich solidarisch und es werden wieder coole Designs erstellt. Damals bei Charlie Hebdo waren es Stifte, die wie Waffen benutzt wurden, diesmal ist es der Eiffelturm, der als Peace-Zeichen verwendet wird. Hashtags werden populär sowie Weißer Text auf schwarzem Grund. Es wiederholt sich alles, aber irgendwie ändert sich nichts.

Oder?

Ich fühle mich sprachlos und freudlos. Machtlos allerdings fühle ich mich nicht. Ich habe die Macht, Gutes in diese Welt zu bringen, anderen zu helfen, nett zu sein, höflich und wohlwollend und Zivilcourage zu zeigen. Das ist meine Macht, die ich dem Bösen dieser Welt entgegensetzen kann. Jeden Tag. Ich kann etwas tun.

Was denkt ihr dazu?
Was fühlt ihr diesbezüglich?

Ich würde sehr gerne mit euch darüber diskutieren, schreibt doch in die Kommentare was ihr denkt.

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6 Gedanken zu „#ParisAttacks: Keine Lust auf Social Media

  1. Mir geht es wie dir. Hab, denk ich, zwei Sachen rebloggt und bin dann gegangen. Ich hab eben wieder reingeschaut – meine TL hat sich nicht großartig verändert, ein paar Leute werd ich jetzt aussortieren.
    Ansonsten: Was kann man groß zu so etwas sagen? Taten sagen ohnehin mehr als Worte und auf die sollte man sich konzentrieren. (Stichwort Flüchtlingshilfe)

  2. Es ist doch immer dasselbe. Alle sind schockiert und zeigen per Social Media ihre Anteilnahme. Nach einer Woche ist das Ganze wieder vergessen und es werden wieder nette Urlaubspics gepostet.

    Mir war schon seit dem 11.September klar, dass nichts mehr so sein wird wie früher. Zum ersten Mal hat die westliche Welt den Terror erlebt, den die arabische Welt fast jeden Tag ausgesetzt ist. Danach kamen London, Madrid und nun Paris.

    Ich werde mich von diesen kranken Idioten nicht einschüchtern lassen, denn darauf warten die ja nur. Wie du es so schön geschrieben hast, man darf sich nicht verändern. Und vor allem darf man nicht den Glauben an die Menschlichkeit verlieren. Es gibt noch ganz viel Gutes auf der Welt.

    1. Bzw. ändert jeder sein Profilbild in die Frankreich-Flagge oder das Eiffelturm-Peace-Zeichen und dann hat man das auch abgefrühstückt, war "dabei" und kriegt seine paar Likes, blabla.

      Es ödet mich an.

      Ja, man darf die dunkle Macht nicht die Überhand gewinnen lassen.

      Danke für deinen Kommentar! 🙂

  3. Mich begleitet ein komisches Gefühl, jedes Mal wenn ich die Flaggenbilder oder die Eiffelturm-Peace-Zeichen sehe.

    Eine Menge Menschen sind gestorben und es kommt die alltypische Reaktion, wie ich sie gewohnt bin. Jeder Regierungschef macht eine Rede, wo sie ihre Trauer äußern und dazwischen mal irgendwo erwähnen, dass „wir das gemeinsam schaffen“. Am Rande entsteht wieder die Diskussion über die Rolle des Islams, die von beiden Seiten kritisiert wird, weil es die andere Seite provoziert. Und alles Newsfeeds bei Facebook und Twitter werden voll mit Trauernachrichten und trendigen Hashtags.

    Plötzlich erscheint alles, was die Leute sagen, so leer und bekannt zu sein. Hashtag hier und da, schon kann ich deine Anteilnahme nicht mehr ernst nehmen. Oh, 20 Bilder der Pariser Platzes mit den Flaggenfarben? Das wird den Opfern bestimmt helfen und zukünftige Anschläge verhindern. Tröstet das die Franzosen? Wirklich? Ich weiß, ich würde mich beleidigt fühlen, würde der Tod meiner Freunde mit einem #Wirhaltenzusammen zum Trend werden.

    Und das ist mein Problem. Alles, was ich sehe, ist das Mitmachen eines Trends und der Wunsch als Gutmensch zu gelten. „Seht ihr Leute? Ich habe eine Franzosenflagge über meinem Gesicht! Ich bin total solidarisch, fühle voll mit euch und bin voll Anti-Terror.“ (Ähnliches hatte mich schon bei den LGBT-Flaggen gestört. Verdammt, das ist praktisch jeder „Like, wenn du…“-Post.) Und natürlich kriegt man davon auch keine Ruhe, wenn man ins Internet geht, weswegen ich mich auch für mehrere Tage davon fernhalte.

    Klar, manche Leute fühlen sich durch einen Bildwechsel und einem „Gefällt mir“-Klick besser. Manche Leute fühlen tatsächlich so viel Anteilnahme, dass sie 20 Bilder teilen müssen, weil es die einzige Art und Weise ist, wie sie damit umgehen. Manche Leute folgen einem Trend, weil sie sonst nicht wissen, was sie tun sollen, obwohl es keinem Schwein hilft außer ihnen selbst.
    Nur zu Leute. Macht was ihr wollt.
    Ich kriege davon nur Kopfschmerzen.
    Rant, Ende. Peace, out.

    1. Du sprichst mir aus der Seele.
      Und dann bombt Frankreich zwei Tage später wieder fleißig in Syrien rum, als ob das helfen würde. Das war abzusehen. Alles wie immer, es ist wirklich traurig.

      Danke für deinen Kommentar, anonymer Schreiber!

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