Cliffhanger in Serien, Büchern und meinem aktuellen Buchprojekt

cliffhanger

In den letzten paar Wochen habe ich vermehrt auf die Cliffhanger geachtet, die in Büchern, Filmen oder Serien auftreten die ich konsumiere. Sofort sind die Erkenntnisse auch in mein aktuelles Projekt „HELENA“, eine Novelle aus dem Doppelmond-Universum, geflossen.

Hier möchte ich euch meine Gedanken und Erkenntnisse mitteilen.

 

Cliffhanger in Game of Thrones (Spoilerfrei!)

Die Serie verfolge ich seit Staffel 1 und das Konzept „Serie“ und die darin enthaltene Erzählstruktur schon länger. Es gibt Serien die täglich ausgestrahlt werden, wie GZSZ, oder wöchentlich. Game of Thrones zählt zu den wöchentlichen. Diese Serien werden für das TV-Format produziert, welches natürlich durch Werbeeinnahmen Geld verdienen möchte und daran interessiert ist, dass die Zuschauer nicht wegschalten. Das erreicht man durch richtig platzierte Cliffhanger. Besonders am Ende einer Folge muss man dem Zuschauer einen guten Grund liefern, auch nächste Woche wieder einzuschalten.

Bei Game of Thrones verfolgen wir die Schicksale vieler unterschiedlicher Charaktere. Mal sieht man, was mit Jon Snow geschieht, dann wieder, mit welchen Problemen sich Cersei herumschlagen muss. Vor dem Wechsel zu einem neuen Schauplatz und einem neuen Charakter bekommt man als Zuschauer ebenfalls oft einen (kleinen) Cliffhanger serviert, der um das Schicksal oder gar das Überleben des Charakters bangen lässt.

Die richtig dicken Cliffhanger findet man meist am Ende einer Serienstaffel, denn schließlich muss der Zuschauer jetzt im schlimmsten Falle sogar über ein Jahr auf die Fortsetzung warten. Auch hier ist Game of Thrones ein gutes Beispiel. Unabhängig davon empfehle ich jedem Autor sich diese Serie anzuschauen.

Wer sich für das serielle Schreiben interessiert, sollte sich unbedingt die Videoreihe „Serial Storytelling on TV“ anschauen: https://www.youtube.com/playlist?list=PLC91qyoSyKZVLTi2ElW1ib3V4K-25cWfn

 

Cliffhanger in der „Bourbon-Kid-Reihe“

Kommen wir zu „unserem“ Metier, dem Schreiben von Büchern.
Hier kann ich als Anschauungsmaterial die Bourbon-Kid-Reihe empfehlen. Ähnlich wie in Game of Thrones, gibt es in den Büchern mehrere Charaktere, deren Geschichten immer im Wechsel erzählt werden. Auch hier finden sich an den Kapitelenden immer kleine Cliffhanger, welche die Spannung oben halten, bevor das nächste Kapitel wieder über einen anderen Charakter berichtet. Man will immer weiter lesen, die Spannung zwingt einen dazu. Eine wichtige Zutat, wenn man einen sogenannten „Page Turner“ schreiben will.

Bücher der Bourbon Kid Reihe

 

Umsetzung in meiner Novelle „HELENA“

Cover der Novelle HelenaIn meinem aktuellen Schreibprojekt habe ich das erste mal bewusst darauf geachtet, wie meine Kapitel enden und welche Fragen sich der Leser am Ende stellt. Ich habe festgestellt, das mein 2. Kapitel recht unspannend und mein drittes Kapitel gar mit dem Einschlafen von Helena endete: GÄHN! Sprichwörtlich. Das ist nicht spannend! Das von mir beobachtete in Game of Thrones oder den Bourbon Kid – Büchern habe ich sofort angewandt. Das besagte Kapitel mit dem Einschlafen von Helena habe ich so umgeschrieben, dass man noch erfährt, dass am darauffolgenden Morgen eine Person ganz dicht neben ihr am Bett steht. BÄM! Was will diese Person? Was macht sie mit der schlafenden Helena? Tut sie ihr was an? Das wird sich der Leser fragen und direkt zum nächsten Kapitel blättern, nur um an dessen Ende wieder mit einer spannenden Frage zurückgelassen zu werden.
Ganz gut gelöst, oder?

Schreibst du selbst? Wie machst du das mit der Spannung? Benutzt du Cliffhanger?

Ich freue mich auf spannende, spoilerfreie Unterhaltungen in den Comments! 🙂

 

 

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3 Gedanken zu „Cliffhanger in Serien, Büchern und meinem aktuellen Buchprojekt

  1. Ein echtes Lehrstück zum Thema Cliffhanger ist das Kinderbuch „Latte Igel und der Wasserstein.“ Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der zum Weiterlesen zwingt. Dabei aber so gut gemacht, dass es nicht auffällt, wenn man die Technik nicht kennt.

  2. Gestern der Kommentar war wegen der Uhrzeit und meines erkältungsgeschädigten Hirns nicht so der Bringer. Den kannst du von mir aus auch löschen. Wäre nicht schade drum.
    Natürlich nutze ich Cliffhanger, schließlich schreibe ich Krimis. Allerdings setze ich sie nicht immer und schon gar nicht ausschließlich an die Szenen- oder Kapitelenden, sondern schachtele sie ineinander. Eine Frage wird aufgeworfen und bevor sie gelöst ist, kommt eine zweite hinzu, dann eine dritte, bevor endlich die Antwort gefunden ist, die aber wieder eine vierte Frage aufwirft und so weiter. Lauter Mini-Cliffhanger, die (hoffentlich) dazu führen, die Spannung auch ohne viel Action hoch zu halten.
    Bei deinem Beispiel ist mir im Nachhinein aber im Nachhinein noch aufgefallen, dass sogar das Einschlafen einer Figur ein ziemlich genialer genialer Cliffhanger sein kann, wenn du vorher eine gefährliche Situation für diese Figur schaffst, von der die aber nichts ahnt. Das kann alles Mögliche sein, vom drohenden Ausbruch eines Vulkans, über sich dem Haus nähernde Vampire bis hin zu einem Erinnerngsreset, das immer stattfindet, wenn die Figur mehr als x Stunden schläft.
    Dadurch bekommst du den Effekt der tickenden Bombe, den Hitchcock mal beschrieben hat: Zeigt man nur die Explosion, ist es BÄM – großer Schock, aber die Wirkung hält nicht lange an. Viel effektiver ist es, fröhliche Menschen um einen Tisch zu versammeln und dann die tickende Bombe darunter zu zeigen. In dem Moment hofft der Zuschauer (bzw. Leser) unwillkürlich, dass etwas passiert, das die Explosion verhindert. So wie Hitchcock es beschreibt, ist es eine normale Spannungsszene, aber wenn du nach dem Zeigen der Zeitbombe ausblendest und auf eine andere Szene wechselst, hast du einen astreinen Cliffhanger.
    Gleiches bei Helena. Ich kenne natürlich die Szene nicht, die du geschrieben hast. Aber nur mal so als Idee formuliert: Helena hat ihre Nichte zu Besuch. Beide machen eine Wanderung durch den Wald (dabei bleibt das Kettensägenschwert natürlich zuhause, weil zu schwer) und übernachten in einer einsam gelegenen Waldhütte. Die Vampirfürstin, die sich an Helena rächen will, hat durch ihre Spione von diesem Ausflug erfahren. Nun sind fünf ihrer Elitekämpfer auf dem Weg zur Hütte. Helena und ihre Nichte essen zu Abend, die Nichte würde gerne mit der Pistole spielen, die Helena für alle Fälle dabei hat. Helena verbietet es ihr, erwischt das Mädchen aber kurz darauf bei Zielübungen, als sie vom Holzholen wieder rein kommt. Sie redet ein ernstes Wort mit der Kleinen und schickt sie ins Bett. Die Vampire sind inzwischen ganz nahe. Helena trinkt ein Bier auf der Veranda (vielleicht hört sie sogar Geräusche, macht einen Kontrollgang und findet nur einen Igel?), geht ins Haus und schlafen. Dann fällt ihr die Pistole ein. Nicht dass das Kind in der Nacht doch noch … Sie steht wieder auf, schließt die Pistole in einer Schublade ein und versteckt den Schlüssel unter dem Kopfkissen. Jetzt ist sie beruhigt, das Bier tut nach der Wanderung auch seine Wirkung und das Bett ist schön warm. Sie streckt sich aus und spürt ihre Gedanken davongleiten.
    Helena mag in dem Moment ja beruhigt sein, aber ich wage die Behauptung, dass der Leser es nicht ist und am liebsten schreien würde: „Ey, nicht schlafen da! Da draußen sind 5 Elitevampire und du musst auf deine Nichte aufpassen! Und was soll der Scheiß mit der Pistole?“
    Keine Ahnung, ob das bei deiner Version auch klappen könnte. Aber ich denke, eine ähnliche Spannung lässt sich aufbauen, wenn du zeigst, wie sich eine geheimnisvolle, potentiell bedrohliche Gestalt Helenas Unterkunft nähert, wobei der Leser im Ungewissen bleibt, ob Freund oder Feind. Und jetzt stell dir vor, du eröffnest die (über?)nächste Szene damit, dass Helena aufwacht und jemand neben ihrem Bett steht. Ich glaube, der Effekt wäre noch größer, als jetzt, denn der Leser ist sofort wieder im Geschehen und fragt sich: Wer jetzt? Freund? Feind? Potentielles Opfer? Wie geht es weiter?

    1. Hey, vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar! 🙂

      Ja, das mit dem Verschachteln wie du es beschreibst klingt auch sehr gut, so ähnlich habe ich es in meiner Novelle auch gemacht, zumindest teilweise. Mehrere Handlungsstränge, die offen gelassen werden, bevor man zum anderen Strang wechselt. Das hat ganz gut funktioniert und ich finde es auch bei anderen Büchern recht spannend. Man sollte einfach drauf achten, dass man dem Leser immer irgendwelche Fragen offen lässt, so dass er sich fragt, wie das wohl weiter geht. Am Ende sollte man diese Fragen natürlich beantworten :).

      Ja, Alfred Hitchcock ist, was Spannung angeht ein wahrer Meister. Das mit der Bombe habe ich auch schon mal irgendwo gelesen. Die Wirkung ist natürlich viel stärker, wenn man den Leser / Zuschauer mehr wissen lässt, als die Figuren in der Handlung. Dadurch fiebert man mit, ob sie die Bombe überleben oder nicht, oder wie du sagtest, man bangt darum, dass die Bombe entschärft wird oder nicht zündet.

      Deine Version von Helena im Wald klingt sehr gut, konnte ich mir bildlich vorstellen. Vielleicht schreibe ich so was ähnliches ja mal :).

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