Kurzgeschichte: Eine schlechte Nachricht

Mal wieder möchte ich euch in meine fantastische Welt entführen. Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte!

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Aktueller Stand: Wörter: 101.282 | Taschenbuch-Seiten: 290

Eine schlechte Nachricht

Coverzeichnung:
Marvin Herbring a.k.a. Vyse

Die Vampire schlichen leise durch den Dschungel,
stiegen über dicke Wurzeln, schoben große Farne beiseite und
achteten penibel darauf, kein Geräusch zu verursachen.
Branek
grinste. Er beobachtete die sechs Lechuza schon seit mehreren
Minuten, schwang sich von Baum zu Baum und gab seinen Kameraden
eindeutige Pfotenzeichen, mit dem Angriff noch zu warten. Vor allem
Larok war ungeduldig und deutete mehrmals an, den ungebetenen
Besuchern ein schnelles Ende bereiten zu wollen. Branek jedoch war
nicht auf’s stumpfe Töten aus. Er wollte wissen, wofür
Blutmeister Darec das Leben dieser Kämpfer opferte.
Gleich
würden die Besucher an einen Punkt kommen, an dem sie sich zwischen
zwei Zielen entscheiden mussten. Die Werwolfsstadt Kree lag nördlich,
während der heilige Mondberg, Pilgerort der Werwölfe, im Osten in
den Himmel ragte.
Die Blutsauger schauten umher, richteten ihren
Blick mehrmals nach oben, aber sahen keinen der fünf Werwölfe, denn
diese waren Corvus-Späher. Dafür ausgebildet, ungesehen die
Gefahren für ihr Volk frühzeitig zu erkennen und zu melden. Oder im
Notfall eigenpfötig abzuwenden.
Die Bewaffnung der Vampire war
spärlich. Die meisten trugen eine riesige, geschwungene Stahlklinge,
andere hatten Messer von bis zu einer Ellenlänge auf ihren
Handrücken befestigt. Keine große Herausforderung für die
Werwölfe, aber auch kein Grund, sich sorglos auf sie zu stürzen.
Der
vorderste Vampir hob plötzlich die Hand. Der Trupp blieb stehen,
während er selbst weiterlief und die Richtung änderte. Dann gab er
seinen Hintermännern ein Signal, ihm zu folgen.
Jetzt war Branek
klar, was ihr Ziel war: Kree. Aufgrund ihrer geringen Anzahl und der
Tatsache, dass die Stadt umzäunt war von riesigen Palisaden, war es
unwahrscheinlich, dass sie die Stadt angreifen würden. Vielleicht
sollten sie Schwachstellen auskundschaften oder eine sichere Route
durch den Dschungel finden. Egal, was sie vorhatten, es war Zeit, es
frühzeitig zu beenden.
Branek drehte sich auf dem dicken Ast zu
Jana, seiner treuen Begleiterin, die auf einem der anderen Bäume
saß. Ihre schmalen, schwarzen Augen ließen von der Vampirgruppe ab
und richteten sich auf ihn. Sie verstand, was er in Zeichensprache zu
ihr sagte. Behende griff sie eine Liane und schwang sich zu einem der
Bäume vor ihr, von dort zum nächsten, bis sie genau über der
Vampirgruppe war. Dort verharrte sie. Die anderen drei Werwölfe
brachten sich ebenfalls in Position, bis einer von ihnen mittels
kleiner Holzflöte einen Vogelruf imitierte. Das Zeichen für Branek,
der sich jetzt genau hinter den Vampiren auf den Boden fallen ließ,
kurz in die Knie sank und sich dann breitschultrig erhob. Die
Angreifer drehten sich blitzartig um und erstarrten.
„Wieder
einmal schickt Darec ein paar unglückliche Gestalten in den
Dschungel zum Sterben.“, sagte der Werwolf und machte leichte
Lockerungsübungen mit seinen Oberarmen. Das Lederband, das seinen
Körper umschlung, knarzte unter seinen strammen Muskeln.
Einer
der Vampire trat nach vorne. Jana spannte einen Pfeil in ihren Bogen,
dessen vielfach gezackte und in Gift getränkte Pfeilspitze sie auf
den Blutsauger richtete, der wenige Meter vor Branek stehen blieb.
Mit  weißen, leeren Augen, starrte er den Werwolf verächtlich
an.  Seine langen, weißen Haare führten zu den Schultern, die
bedeckt waren mit pechschwarzen Tätowierungen, die sich elegant um
seinen nackten, weißen Oberkörper wanden.
Mit der Hand,
in der er nicht seine breite, eiserne Klinge hielt, nahm er jetzt das
metallene Mundstück ab, das seinen gesamten Unterkiefer bedeckte.
Schmatzend leckte er sich über die Lippen.
„Eliska schickt uns,
nicht Darec!“
Branek war überrascht, ließ es sich aber nicht
anmerken.
„Wir sollen euch eine Nachricht zukommen lassen.“,
fuhr der Vampir fort.
Der Werwolf schaute an dem Vampir vorbei auf
dessen fünf Kameraden, die dort ohne ein sichtbares Zeichen von
Furcht standen und ihr Gespräch verfolgten.
„Ich höre!“,
sagte Branek.
„Eliska fordert von eurem Volk die Herausgabe der
Seite. Ihr wisst, dass sie rechtmäßiges Eigentum des Vampirvolkes
ist und ihr keinerlei Anspruch darauf habt. Unsere Aufgabe ist es,
die Seite zurück nach Caedarx zu führen. Solltet ihr euch dieser
Forderung in irgendeiner Weise widersetzen, so wird die Königin nach
Kree reisen, um eigenhändig eure Frauen und Kinder von der Last
ihrer Köpfe zu befreien!“
Branek konnte seine Überraschung
nicht länger verbergen. Er nickte und schaute nachdenklich auf den
Boden vor sich, während er mit der Zunge schnalzte.
Er hatte
verstanden, was der Vampir gesagt hatte. Er hatte aber auch
Anweisungen und Befehle. So reichte ein kurzes Zucken seines rechten
Ohres aus, dass Janas Pfeil in den Kopf  des Vampirs drang.
Regungslos stürzte er nach vorne. Die fünf hinter ihm erschraken
und  blickten über sich. Dann hoben sie ihre Klingen und
stürmten auf Branek zu, während Werwolf Larok mit seinen beiden
Kameraden von den Bäumen sprang. Jana blieb auf ihrer Position und
schoss ein Pfeil in das Bein eines anstürmenden Vampirs, der
stolperte und im nächsten Augenblick von Larok den Schädel
gespalten bekam. Branek hatte genug Zeit, um seine Sichel aus dem
Lendenschurz zu ziehen, mit der er einem Vampir, nach dessen
missglücktem Angriffsversuch, die Kehle durchtrennte. Die Schreie
und das blutige Gurgeln der Schlacht hallten nicht lange durch den
Dschungel.
Vögel aller Art, deren Gesänge zuvor noch in der Luft
lagen, waren geflohen.
Stattdessen hörte man den Atem jedes
einzelnen Werwolfs.
Jana sprang von ihrem Baum und stellte sich
zu Branek.
„Das ist schlecht, oder?“
Branek nickte.
„Eliska
weiß, dass wir eine der Seiten haben. Und sie wird alles dafür tun,
sie in ihre Hände zu bekommen. Ja, ich muss dir recht geben: Das ist
schlecht!“

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